Betrugsmaschen auf Kleinanzeigen erkennen
Die meisten Betrugsversuche auf Kleinanzeigen folgen wenigen, bekannten Mustern. Wer sie kennt, erkennt sie schnell. Hier findest du jede Masche mit Ablauf, Warnzeichen und konkreten Schutztipps. Checklisten für einzelne Produkte findest du im Kaufratgeber.
Maschen gegen Käufer
Du willst etwas kaufen? Diese Tricks solltest du kennen.
- Für KäuferLockpreis-Betrug: Das Schnäppchen vom neuen Account
Beim Lockpreis-Betrug bietet ein neu angelegter Account begehrte Ware deutlich unter Wert an, typischerweise 40 bis 70 Prozent billiger. Ziel ist eine Vorkasse per Überweisung, danach meldet sich der Verkäufer nicht mehr. Das stärkste Warnzeichen ist die Kombination aus neuem Account, Traumpreis und fehlender Abholmöglichkeit.
- Für KäuferVorkasse-Betrug: „Bin auf Montage, nur Versand möglich“
Beim Vorkasse-Betrug erklärt der Verkäufer, warum keine Abholung möglich ist, etwa „bin auf Montage“ oder „beruflich im Ausland“, und verlangt Überweisung vorab. Die Ware existiert meist nicht. Eine Ausrede gegen Abholung plus Vorkasse ist eines der häufigsten Betrugsmuster auf Kleinanzeigen.
- Für KäuferPayPal „Freunde & Familie“: Warum du so nicht bezahlen solltest
Zahlungen über PayPal „Freunde & Familie“ haben keinen Käuferschutz. Kommt die Ware nicht an, bekommst du dein Geld in der Regel nicht zurück. Betrüger bitten deshalb gezielt um diese Zahlungsart, oft mit dem Argument, man spare Gebühren.
- Für Käufer & Verkäufer„Schreib mir auf WhatsApp“: Warum der Plattformwechsel ein Warnsignal ist
Wer dich bittet, auf WhatsApp, Telegram oder E-Mail weiterzuschreiben, umgeht die Betrugsfilter und Warnhinweise von Kleinanzeigen. Außerdem erhält er deine Telefonnummer. Das ist nicht immer Betrug, aber ein Wechsel ganz am Anfang des Gesprächs ist ein häufiges Warnsignal.
- Für Käufer & VerkäuferGefälschte „Sicher bezahlen“-Seiten: Phishing auf Kleinanzeigen
Echte Zahlungen mit „Sicher bezahlen“ laufen ausschließlich in der Kleinanzeigen-App oder auf kleinanzeigen.de, nie über Links oder QR-Codes aus Chats, Mails oder SMS. Gefälschte Seiten sehen täuschend echt aus und stehlen Kartendaten oder Bankzugänge. Achte auf Domains wie kleinanzeigen-zahlung.click oder kleinanze1gen.de.
- Für KäuferGekaperte Accounts: Wenn das seriöse Profil gar nicht mehr dem Verkäufer gehört
Betrüger übernehmen echte, ältere Accounts mit guten Bewertungen, um Vertrauen zu erschleichen. Das Warnzeichen: Das Profil ist Jahre alt, aber alle aktiven Anzeigen sind ganz neu und teuer, und die alten Bewertungen passen thematisch nicht dazu.
- Für KäuferKopierte und KI-generierte Bilder in Kleinanzeigen
Wer etwas verkauft, das er nicht besitzt, hat keine eigenen Fotos. Betrüger nutzen deshalb Stockfotos, Bilder aus Online-Shops, Fotos aus anderen Anzeigen oder KI-generierte Bilder. Typisch sind perfekte Studio-Optik, wechselnde Hintergründe und Details, die nicht zum Text passen.
- Für KäuferDreiecksbetrug: Wenn du die Ware eines anderen bezahlst
Beim Dreiecksbetrug nennt der Betrüger dir die Kontodaten einer echten dritten Person, die selbst gerade etwas bei ihm gekauft hat. Du zahlst, die dritte Person verschickt ihre Ware an den Betrüger, und du bekommst nichts. Am Ende streiten sich zwei Opfer, während der Betrüger verschwunden ist.
- Für KäuferTicket-Betrug: Konzert- und Fußballtickets privat kaufen
Tickets sind bei Betrügern beliebt, weil sie leicht als PDF oder Screenshot verschickt werden können. Häufig werden gefälschte oder mehrfach verkaufte Tickets angeboten, oder personalisierte Tickets, mit denen du gar keinen Einlass bekommst. Am sichersten ist der Kauf über offizielle Weiterverkaufsplattformen des Veranstalters.
- Für KäuferKaution und Transportkosten vorab: Betrug bei Wohnungen und Tieren
Bei Wohnungen und Tieren verlangen Betrüger Geld, bevor du etwas gesehen hast: eine Kaution für die Schlüsselübergabe oder Transportkosten für ein Tier. Eine Besichtigung ist angeblich nicht möglich. Seriöse Vermieter und Züchter zeigen Wohnung oder Tier vorher.
Maschen gegen Verkäufer
Auch wer verkauft, wird zum Ziel. Vor allem über gefälschte Zahlungen.
- Für Verkäufer„Klick hier, um dein Geld zu erhalten“: Phishing gegen Verkäufer
Ein angeblicher Käufer behauptet, bereits bezahlt zu haben, und schickt dir einen Link oder QR-Code, um das Geld zu empfangen. Auf der gefälschten Seite sollst du Kartendaten oder Bestätigungscodes eingeben. Damit wird dein Konto belastet. Um Geld zu empfangen, musst du niemals Kartendaten eingeben.
- Für Verkäufer„Mein Kurier holt die Ware ab“: Kurier-Betrug gegen Verkäufer
Beim Kurier-Betrug ist der Käufer angeblich verhindert und schickt einen Kurier oder eine Spedition zur Abholung. Die Zahlung ist gefälscht, wird zurückgebucht oder soll erst später kommen. Wenn die Ware weg ist, ist auch der Käufer weg.
- Für VerkäuferÜberzahlung: „Ich habe versehentlich zu viel überwiesen“
Beim Überzahlungs-Betrug behauptet der Käufer, versehentlich zu viel bezahlt zu haben, und bittet dich, die Differenz zurückzuüberweisen. Die ursprüngliche Zahlung ist gefälscht oder wird später zurückgebucht. Du verlierst die Differenz und oft auch die Ware.
- Für VerkäuferGefälschte Zahlungsbestätigung: Screenshot statt Geld
Betrüger schicken Screenshots oder täuschend echte E-Mails, die eine erfolgte Zahlung zeigen. Das Geld ist aber nie angekommen. Verlass dich nur auf den Zahlungseingang in deinem Bankkonto oder in der Kleinanzeigen-App, nie auf Belege des Käufers.
- Für VerkäuferSMS-Code-Betrug: „Schick mir kurz den Code“
Wenn dich jemand bittet, einen per SMS erhaltenen Code weiterzugeben, will er fast immer eines deiner Konten übernehmen: Kleinanzeigen, WhatsApp oder sogar Online-Banking. Einen solchen Code gibt man niemals weiter, egal mit welcher Begründung.
- Für VerkäuferPayPal-Rückforderung: Ware verschickt, Geld zurückgebucht
Manche Käufer missbrauchen den PayPal-Käuferschutz: Sie zahlen per „Waren & Dienstleistungen“, erhalten die Ware und melden dann, sie sei nicht angekommen oder nicht wie beschrieben. PayPal bucht das Geld zurück. Ein versicherter Versand mit Sendungsnummer und gute Fotos schützen dich.
Wie verbreitet ist Online-Betrug?
Polizeilich erfasste Fälle in Deutschland (2024: 233.987, −16,9 %). Umfasst alle Kanäle, nicht nur Kleinanzeigen-Plattformen. Taten aus dem Ausland sind nicht enthalten, die Dunkelziffer gilt als hoch.
Quelle: BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, IMK-Bericht, S. 30
Alle polizeilich erfassten Betrugsdelikte in Deutschland (2024: 743.472, −8,4 %). Waren- und Warenkreditbetrug macht davon mehr als ein Viertel aus.
Quelle: BKA, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, IMK-Bericht, S. 30
Repräsentative Befragung von über 3.000 Personen ab 16 Jahren im Januar 2026.
Quelle: BSI & Polizeiliche Kriminalprävention (ProPK), Cybersicherheitsmonitor 2026
Damit das häufigste Delikt unter den Betroffenen, vor fremdem Zugriff auf Online-Konten. Ein Drittel der Betroffenen hatte einen finanziellen Schaden.