Ausweiskopie auf Kleinanzeigen: Kein Beweis, sondern ein Risiko
Von der KAcheck-Redaktion · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Eine Ausweiskopie im Chat beweist nicht, wer dir schreibt. Viele Kopien stammen von früheren Betrugsopfern oder sind gefälscht und sollen eine Zahlung vorab rechtfertigen. Deinen eigenen Ausweis solltest du für einen normalen Kauf oder Verkauf nicht verschicken, weil Betrüger damit Konten und Verträge in deinem Namen anlegen können.
Irgendwann im Gespräch kommt ein Foto: ein Personalausweis, Vorder- und Rückseite, gut lesbar. „Damit du siehst, dass ich echt bin.“ Oder es kommt die umgekehrte Bitte: „Schick mir kurz ein Foto von deinem Ausweis, ich muss mich absichern.“ Beides wirkt auf den ersten Blick wie Vorsicht. In Wahrheit ist die Ausweiskopie auf Kleinanzeigen eines der häufigsten Werkzeuge von Betrügern.
Das Problem hat zwei Seiten. Ein fremder Ausweis beweist dir nichts, und dein eigener Ausweis kann in den falschen Händen großen Schaden anrichten.
Warum ein Ausweis im Chat nichts beweist
Ein Ausweisfoto zeigt, dass es einen Menschen mit diesem Namen gibt. Es zeigt nicht, dass dieser Mensch gerade mit dir schreibt. Viele Ausweiskopien, die Betrüger verschicken, stammen von früheren Opfern. Diese haben ihren Ausweis irgendwann zur angeblichen Verifizierung geschickt, für eine Wohnungsbewerbung, einen vermeintlichen Nebenjob oder einen Kauf. Die Person auf dem Foto weiß oft nicht, dass ihr Gesicht gerade in Dutzenden Chats auftaucht.
Andere Ausweise sind schlicht gefälscht. Mit Bildbearbeitung lässt sich ein Name austauschen, und auf einem Handyfoto fällt das kaum auf.
Das Muster ist fast immer dasselbe: Der Ausweis soll die Zahlung vorab rechtfertigen. Er ersetzt die Abholung, die Besichtigung oder eine sichere Zahlungsart. Genau deshalb ist er ein Warnsignal und kein Beweis. Mehr zum dahinterliegenden Muster im Ratgeber zum Vorkasse-Betrug.
Warum du deinen eigenen Ausweis nicht schicken solltest
Mit deiner Ausweiskopie können Betrüger in deinem Namen auftreten. Sie können damit neue Kleinanzeigen-Konten, Konten bei Zahlungsdiensten oder Verträge anlegen, in manchen Fällen auch Bankkonten, über die dann Geld aus anderen Betrugsfällen läuft. Die Ermittlungen landen dann zuerst bei dir.
Und dein Ausweis wird zum Werkzeug gegen andere. Er wird genau so verschickt, wie oben beschrieben, als angeblicher Beweis der Seriosität.
Für einen normalen Kauf oder Verkauf auf Kleinanzeigen gibt es keinen Grund, eine Ausweiskopie an eine Privatperson zu schicken. Beim Treffen kannst du dir einen Ausweis zeigen lassen, wenn es wirklich nötig ist, etwa bei einem Autokauf. Dafür reicht ein Blick, eine Kopie braucht niemand.
Wenn du einen Ausweis doch kopieren musst
Es gibt Situationen, in denen eine Kopie sinnvoll ist, etwa bei einem Mietvertrag, wenn du den Vermieter und die Wohnung kennst. Das Personalausweisportal der Bundesregierung empfiehlt für solche Fälle einige Vorsichtsmaßnahmen:
- Die Kopie muss deutlich als Kopie erkennbar sein, zum Beispiel durch den Aufdruck „KOPIE“.
- Daten, die für den Zweck nicht nötig sind, werden geschwärzt. Dazu gehören insbesondere die Zugangsnummer und die Ausweisnummer, sofern keine Vorschrift sie verlangt.
- Häufig reichen Name, Geburtsdatum und Anschrift.
- Vermerke auf der Kopie, für wen und wofür sie bestimmt ist, und das Datum.
- Verschicke sie nicht per unverschlüsselter E-Mail oder im Messenger an Unbekannte.
Eine so eingeschränkte Kopie ist für Betrüger deutlich weniger wert, weil sie sich nicht einfach in anderen Chats wiederverwenden lässt.
Die Bitte um Verifizierung
Eine eigene Variante ist die angebliche Verifizierung. Der Käufer oder Verkäufer behauptet, Kleinanzeigen, PayPal oder ein Versanddienst verlange einen Ausweis, bevor die Zahlung durchgeführt werden könne. Manchmal kommt ein Link zu einer Seite, auf der du Ausweis und Selfie hochladen sollst.
Solche Anfragen haben nichts mit der Plattform zu tun. Wenn ein Zahlungsdienst tatsächlich deine Identität prüfen muss, macht er das in seiner eigenen App und in deinem Konto, nicht über einen Link, den dir ein Fremder schickt.
Wenn du deinen Ausweis schon verschickt hast
Das ist unangenehm, aber du kannst etwas tun.
- Erstatte Anzeige bei der Polizei und schildere, dass deine Ausweiskopie in fremde Hände gelangt ist. So kannst du später belegen, dass du nicht hinter Verträgen oder Konten steckst, die in deinem Namen eröffnet werden.
- Beobachte in den nächsten Monaten Post, E-Mails und Konten genau, etwa auf Rechnungen, Mahnungen oder Kontoeröffnungen, die du nicht kennst.
- Du kannst bei der Schufa eine kostenlose Datenkopie anfordern und so prüfen, ob in deinem Namen neue Verträge auftauchen.
- Melde das Profil, dem du die Kopie geschickt hast, bei Kleinanzeigen.
Was KAcheck erkennt
KAcheck achtet in Chats auf das typische Muster, bei dem ein Ausweis oder eine Verifizierung die Zahlung vorab rechtfertigen soll, und bewertet es zusammen mit den übrigen Signalen wie Vorkasse und fehlender Abholung. Ausweisbilder selbst speichern oder prüfen wir nicht.
Warnzeichen auf einen Blick
- Ausweis wird ungefragt als „Vertrauensbeweis“ geschickt
- Der Ausweis soll eine Überweisung vorab rechtfertigen
- Du sollst deinen Ausweis zur „Verifizierung“ schicken
- Link zu einer Seite, auf der du Ausweis und Selfie hochladen sollst
So schützt du dich
- Für normale Käufe und Verkäufe keine Ausweiskopie verschicken
- Wenn nötig: Kopie als „KOPIE“ kennzeichnen, Zugangs- und Ausweisnummer schwärzen, Zweck und Datum vermerken
- Ausweis bei Bedarf beim Treffen zeigen statt kopieren
- Identitätsprüfungen nur in der App des Anbieters, nie über fremde Links
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Schon passiert? Die ersten Schritte
- Sofort deine Bank anrufen und versuchen, die Überweisung zurückzuholen. Je schneller, desto besser die Chance.
- Bei PayPal-Zahlungen mit Käuferschutz sofort einen Konflikt melden.
- Wenn Kartendaten oder Zugangsdaten eingegeben wurden: Karte sperren lassen (Sperr-Notruf 116 116) und Passwörter ändern.
- Anzeige bei der Polizei erstatten, in vielen Bundesländern online über die Internetwache. Chatverlauf, Anzeige und Zahlungsbelege als Screenshots sichern.
- Anzeige und Nutzer in der Kleinanzeigen-App melden, damit andere geschützt werden.
Ausführliche Hilfe und Vorlage für die Strafanzeige
Häufige Fragen
Ist ein Verkäufer mit Ausweis seriöser?
Nein. Ein Ausweisfoto zeigt nur, dass es einen Menschen mit diesem Namen gibt, nicht, dass er gerade mit dir schreibt. Viele Kopien stammen aus früheren Betrugsfällen.
Darf ich meinen Personalausweis überhaupt kopieren?
Ja, mit deiner Zustimmung. Das Personalausweisportal empfiehlt, die Kopie als solche zu kennzeichnen und nicht benötigte Daten wie Zugangs- und Ausweisnummer zu schwärzen.
Ich habe meinen Ausweis schon geschickt. Was jetzt?
Erstatte Anzeige, damit du später belegen kannst, dass du nicht hinter Konten oder Verträgen in deinem Namen steckst. Beobachte Post und Konten und fordere bei Bedarf eine kostenlose Datenkopie bei der Schufa an.
Verlangt Kleinanzeigen einen Ausweis im Chat?
Nein. Wenn ein Zahlungsdienst deine Identität prüfen muss, geschieht das in seiner eigenen App oder auf seiner Website, nicht über Nachrichten anderer Nutzer.
Quellen und weiterführende Informationen
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