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PayPal auf Kleinanzeigen: Käuferschutz, „Freunde & Familie“ und Verkäuferschutz erklärt

Von der KAcheck-Redaktion · Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Nur Zahlungen mit „Waren & Dienstleistungen“ sind durch den PayPal-Käuferschutz abgesichert. Er greift, wenn ein Artikel nicht ankommt oder erheblich von der Beschreibung abweicht, und das Problem muss innerhalb von 180 Tagen gemeldet werden. „Freunde & Familie“ ist für Geld unter Bekannten gedacht und hat keinen Käuferschutz. Verkäufer sind geschützt, wenn sie an die Adresse aus der Transaktion versenden und den Versand belegen können.

PayPal ist auf Kleinanzeigen neben Bargeld und „Sicher bezahlen“ die beliebteste Zahlungsart. Trotzdem wissen viele nicht genau, wann sie damit geschützt sind und wann nicht. Das liegt vor allem an zwei unscheinbaren Optionen beim Senden von Geld: „Waren & Dienstleistungen“ und „Freunde & Familie“. Wer den Unterschied kennt, vermeidet die meisten PayPal-Probleme, als Käufer genauso wie als Verkäufer.

Dieser Ratgeber erklärt, was der Käuferschutz abdeckt, welche Fristen gelten, was Verkäufer tun müssen, um selbst geschützt zu sein, und was der Bundesgerichtshof zum Käuferschutz entschieden hat. Die Angaben beruhen auf den Bedingungen und Hilfeseiten von PayPal Deutschland. Maßgeblich ist immer die aktuelle Fassung bei PayPal.

Die zwei Arten, Geld zu senden

Wenn du bei PayPal Geld an eine andere Person schickst, fragt die App, ob es um Waren und Dienstleistungen geht oder um Geld an Freunde und Familie. Diese Auswahl entscheidet über fast alles, was danach passieren kann.

„Waren & Dienstleistungen“ ist für Käufe gedacht. Der Empfänger zahlt eine Gebühr, die sich nach dem Betrag richtet. Dafür gilt für dich als Käufer der PayPal-Käuferschutz, und der Verkäufer kann unter bestimmten Voraussetzungen den Verkäuferschutz in Anspruch nehmen.

„Freunde & Familie“ ist für Geld unter Bekannten gedacht, etwa wenn du deinem Mitbewohner die Hälfte der Stromrechnung schickst. Innerhalb Deutschlands ist das in der Regel kostenlos, wenn du vom PayPal-Guthaben oder Bankkonto zahlst. Einen Käuferschutz gibt es dabei nicht, denn es wird ja nichts gekauft.

Auf Kleinanzeigen gilt deshalb eine klare Regel: Wenn du etwas von einer Person kaufst, die du nicht kennst, zahlst du nicht mit „Freunde & Familie“. Warum Betrüger trotzdem so gern danach fragen, erklärt der Ratgeber zur Masche mit „Freunde & Familie“.

Was der Käuferschutz abdeckt

Der PayPal-Käuferschutz greift im Wesentlichen in zwei Fällen. Der erste: Du hast bezahlt, aber der Artikel ist nicht angekommen. Der zweite: Der Artikel ist angekommen, weicht aber erheblich von der Beschreibung ab, etwa weil ein ganz anderes Modell geliefert wurde, das Gerät defekt ist, obwohl es als funktionsfähig beschrieben war, oder wichtige Teile fehlen.

Nicht jeder Kauf ist abgedeckt. Laut PayPal fallen unter anderem Kraftfahrzeuge, Motorräder, Wohnmobile und Boote nicht unter den Käuferschutz. Ausgenommen davon sind leichte, tragbare Fahrzeuge für die Freizeit wie Fahrräder. Auch Immobilien und Sonderanfertigungen sind in der Regel nicht abgedeckt. Wer ein Auto über Kleinanzeigen kauft, kann sich also nicht auf den PayPal-Käuferschutz verlassen.

Die Fristen

Die wichtigste Frist: Ein Problem musst du innerhalb von 180 Tagen nach der Zahlung bei PayPal melden. Das geschieht im sogenannten Konfliktlösungszentrum. Zuerst eröffnest du einen Konflikt, in dem du und der Verkäufer versuchen könnt, euch zu einigen.

Klappt das nicht, musst du den Konflikt innerhalb von 20 Tagen zu einem Antrag auf Käuferschutz hochstufen. Sonst wird er automatisch geschlossen. Oft verlangt PayPal, dass seit der Zahlung mindestens sieben Tage vergangen sind, bevor du eskalieren kannst. Danach entscheidet PayPal auf Grundlage der Angaben und Belege beider Seiten.

Was du als Käufer beachten solltest

Der Käuferschutz ist ein starkes Werkzeug, aber kein Freibrief. Einige Regeln machen ihn für dich deutlich verlässlicher.

Zahle direkt an das PayPal-Konto des Verkäufers und nicht über einen Link, den er dir schickt. Solche Links führen häufig zu nachgebauten Seiten, auf denen deine Zugangsdaten gestohlen werden. Mehr dazu im Ratgeber zu gefälschten Bezahlseiten.

Hebe Anzeige und Chat als Screenshots auf, bis der Artikel da ist und du ihn geprüft hast. Wenn es später Streit darüber gibt, was beschrieben war, sind diese Belege entscheidend.

Und öffne ein Paket bei einer hochwertigen Lieferung möglichst so, dass du den Inhalt dokumentieren kannst, etwa mit einem kurzen Video. Das hilft, wenn statt eines Smartphones ein Stück Pappe im Karton liegt.

Der Verkäuferschutz: was Verkäufer tun müssen

Auch Verkäufer können bei PayPal geschützt sein. Der Verkäuferschutz deckt nach Angaben von PayPal zwei Fälle ab: wenn ein Käufer behauptet, den Artikel nicht erhalten zu haben, und wenn eine Zahlung nicht vom eigentlichen Kontoinhaber genehmigt wurde, etwa weil ein gehacktes Konto benutzt wurde.

Damit der Schutz greift, musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört, dass du an die Lieferadresse versendest, die in den Transaktionsdetails der Zahlung steht, und dass du den Versand mit einem geeigneten Beleg nachweisen kannst. Bei Anträgen wegen nicht genehmigter Zahlungen verlangt PayPal diesen Beleg innerhalb von zwei Tagen, nachdem du benachrichtigt wurdest. Versende deshalb mit Sendungsverfolgung und bewahre den Einlieferungsbeleg auf.

Gegen die Behauptung, der Artikel weiche von der Beschreibung ab, hilft der Verkäuferschutz nicht. Hier schützt dich eine genaue, ehrliche Beschreibung mit Fotos aller Mängel. Mehr zu dieser Konstellation steht im Ratgeber zur PayPal-Rückforderung.

Was der Bundesgerichtshof entschieden hat

Viele Verkäufer glauben, dass mit einer Entscheidung von PayPal alles vorbei ist. Das stimmt nicht. Der Bundesgerichtshof hat am 22. November 2017 entschieden, dass ein Verkäufer den Kaufpreis erneut vom Käufer verlangen kann, wenn PayPal ihm das Geld nach einem erfolgreichen Käuferschutzantrag wieder abgebucht hat (Aktenzeichen VIII ZR 83/16 und VIII ZR 213/16).

Nach Auffassung des Gerichts vereinbaren Käufer und Verkäufer bei einer PayPal-Zahlung stillschweigend, dass die Kaufpreisforderung in diesem Fall wieder auflebt. Ob der Käufer tatsächlich noch zahlen muss, entscheidet im Streit ein Zivilgericht nach den gesetzlichen Regeln. Die Entscheidung von PayPal ist also eine Entscheidung über das Geld auf dem PayPal-Konto, nicht über den Kaufvertrag.

Gebühren: Wer zahlt was?

Bei „Waren & Dienstleistungen“ zahlt der Empfänger die Gebühr, also der Verkäufer. Das ist der Grund, warum viele Privatverkäufer lieber „Freunde & Familie“ hätten. Wenn ihr euch darüber nicht einig werdet, ist ein fairer Kompromiss, dass du als Käufer die Gebühr übernimmst oder dass ihr „Sicher bezahlen“ in der Kleinanzeigen-App nutzt. Dort zahlt der Käufer eine Gebühr, der Verkauf ist für den Verkäufer kostenlos. Wie das im Einzelnen funktioniert, erklärt der Ratgeber zu „Sicher bezahlen“.

PayPal oder „Sicher bezahlen“?

Beide Wege bieten Schutz, aber sie funktionieren unterschiedlich. Bei PayPal läuft die Zahlung außerhalb von Kleinanzeigen, der Käuferschutz richtet sich nach den Bedingungen von PayPal, und der Verkäufer bekommt das Geld sofort. Bei „Sicher bezahlen“ bleibt alles in der Kleinanzeigen-App, das Geld wird treuhänderisch verwahrt und erst ausgezahlt, wenn der Käufer den Erhalt bestätigt oder eine Frist abgelaufen ist.

Für Käufer ist „Sicher bezahlen“ oft der bequemere Weg, weil nichts außerhalb der App passiert. Für Verkäufer, die schnell an ihr Geld wollen, kann PayPal attraktiver sein. Unsicher sind beide nur, wenn man sie über Links oder Anleitungen von Fremden nutzt.

Was KAcheck erkennt

KAcheck erkennt im Anzeigentext und im Chat Hinweise auf PayPal „Freunde & Familie“ in allen üblichen Schreibweisen, dazu Links zu nachgemachten Kleinanzeigen-Seiten. Beides fließt in die Risikobewertung ein, zusammen mit Account-Alter, Preis und den übrigen Signalen einer Anzeige.

Achtung bei PayPal

So nutzt du PayPal richtig

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Schon passiert? Die ersten Schritte

  1. Sofort deine Bank anrufen und versuchen, die Überweisung zurückzuholen. Je schneller, desto besser die Chance.
  2. Bei PayPal-Zahlungen mit Käuferschutz sofort einen Konflikt melden.
  3. Wenn Kartendaten oder Zugangsdaten eingegeben wurden: Karte sperren lassen (Sperr-Notruf 116 116) und Passwörter ändern.
  4. Anzeige bei der Polizei erstatten, in vielen Bundesländern online über die Internetwache. Chatverlauf, Anzeige und Zahlungsbelege als Screenshots sichern.
  5. Anzeige und Nutzer in der Kleinanzeigen-App melden, damit andere geschützt werden.

Ausführliche Hilfe und Vorlage für die Strafanzeige

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen „Freunde & Familie“ und „Waren & Dienstleistungen“?

„Waren & Dienstleistungen“ ist für Käufe gedacht: Der Empfänger zahlt eine Gebühr, dafür gilt der Käuferschutz. „Freunde & Familie“ ist für Geld unter Bekannten und hat keinen Käuferschutz.

Wie lange habe ich Zeit, ein Problem zu melden?

Laut PayPal musst du ein Problem innerhalb von 180 Tagen nach der Zahlung melden. Einigt ihr euch nicht, musst du den Konflikt innerhalb von 20 Tagen zu einem Antrag auf Käuferschutz hochstufen.

Gilt der Käuferschutz auch beim Autokauf?

Nein. Kraftfahrzeuge, Motorräder, Wohnmobile und Boote sind laut PayPal ausgenommen. Leichte Freizeitfahrzeuge wie Fahrräder sind nicht ausgeschlossen.

Kann der Verkäufer nach einer Rückbuchung trotzdem Geld verlangen?

Ja. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 22. November 2017 kann der Verkäufer den Kaufpreis erneut verlangen. Ob der Käufer zahlen muss, entscheidet im Streit ein Gericht.

Wer zahlt die PayPal-Gebühr?

Bei „Waren & Dienstleistungen“ zahlt der Empfänger, also der Verkäufer. Viele Käufer bieten an, die Gebühr zu übernehmen, statt auf den Schutz zu verzichten.

Quellen und weiterführende Informationen

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Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechtsberatung. KAcheck ist unabhängig und nicht mit kleinanzeigen.de verbunden.