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Gebrauchtwagen privat kaufen: Papiere, Probefahrt, Betrug

Von der KAcheck-Redaktion · Aktualisiert am · 4 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Beim privaten Autokauf zählen die Papiere mehr als der Lack: Lass dir die Zulassungsbescheinigung Teil II zeigen, vergleiche Name und Fahrzeug-Identifizierungsnummer mit Ausweis und Auto und prüf den Kilometerstand anhand von Serviceheft und HU-Berichten. Keine Anzahlung, keine Treuhanddienste, Zahlung und Übergabe gleichzeitig.

Ein Gebrauchtwagen von privat ist oft günstiger als beim Händler, aber auch riskanter. Beim Privatkauf gibt es meist keine Gewährleistung, und wer einen Mangel übersieht, trägt die Kosten allein. Dazu kommen Betrugsmaschen, die es fast nur beim Autokauf gibt: gefälschte Papiere, zurückgedrehte Tachos und angebliche Verkäufer im Ausland. Mit einer guten Vorbereitung kaufst du trotzdem sicher.

Vor der Besichtigung: Fragen am Telefon

Ein kurzes Telefonat spart dir viele vergebliche Fahrten. Frag nach Erstzulassung, Kilometerstand, Anzahl der Vorbesitzer, Unfällen, dem Datum der nächsten Hauptuntersuchung und ob ein Serviceheft oder Rechnungen vorhanden sind. Frag auch, ob der Verkäufer im Fahrzeugbrief als Halter eingetragen ist.

Achte auf die Antworten. Ein ehrlicher Verkäufer kennt sein Auto und antwortet ohne Ausflüchte. Wer bei einfachen Fragen ausweicht oder das Auto „für einen Bekannten“ verkauft, verdient mehr Misstrauen. Das heißt nicht, dass es Betrug ist, aber du solltest dann besonders genau prüfen.

Die Papiere: wichtiger als der Lack

Zum Auto gehören zwei Dokumente. Die Zulassungsbescheinigung Teil I ist der frühere Fahrzeugschein, Teil II der frühere Fahrzeugbrief. Teil II ist kein Eigentumsnachweis im strengen Sinn, aber das wichtigste Dokument beim Kauf. Wer ein Auto kauft, ohne sich Teil II zeigen zu lassen, kann sich nach der Rechtsprechung nicht auf guten Glauben berufen, falls das Auto gar nicht dem Verkäufer gehört.

Vergleiche den Namen im Fahrzeugbrief mit dem Ausweis des Verkäufers. Stimmen sie nicht überein, lass dir erklären, warum, etwa weil der Wagen auf den Ehepartner zugelassen ist. Dann vergleiche die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, kurz FIN, in beiden Papieren mit der am Auto. Sie steht meist unten in der Windschutzscheibe und ist zusätzlich in die Karosserie eingeschlagen, oft im Motorraum oder an der Beifahrerseite.

Kilometerstand und Vorgeschichte

Manipulierte Tachos sind ein bekanntes Problem. Moderne Tachos lassen sich mit etwas Technik verstellen, ohne dass Spuren sichtbar sind. Deshalb zählen die Belege. Im Serviceheft, auf Werkstattrechnungen und in den Berichten der Hauptuntersuchung steht jeweils der Kilometerstand. Diese Werte sollten stetig steigen und zum aktuellen Stand passen. Große Lücken oder ein Kilometerstand, der niedriger ist als bei der letzten Inspektion, sind klare Warnzeichen.

Achte auch auf den Zustand von Lenkrad, Pedalen, Schalthebel und Fahrersitz. Stark abgenutzte Teile passen nicht zu einem Auto mit angeblich sehr wenigen Kilometern.

Besichtigung und Probefahrt

Besichtige das Auto bei Tageslicht und trockenem Wetter, denn Regen verdeckt Lackschäden. Am besten nimmst du jemanden mit, der sich mit Autos auskennt. Achte auf unterschiedliche Farbtöne und ungleichmäßige Spaltmaße, die auf Unfallreparaturen hindeuten, auf Rost an Radläufen, Schwellern und Türunterkanten und auf Ölspuren unter dem Motor.

Bei der Probefahrt sollte der Motor kalt starten, dann zeigen sich Startprobleme und Geräusche am deutlichsten. Fahr verschiedene Geschwindigkeiten, bremse kräftig und achte darauf, ob das Auto gerade läuft. Kontrolleuchten müssen nach dem Start ausgehen. Bei höheren Preisen lohnt sich ein Gebrauchtwagencheck bei einer Prüforganisation oder einer Werkstatt. Der kostet Geld, kann aber teure Überraschungen verhindern.

Kaufvertrag und Gewährleistung

Schließ immer einen schriftlichen Kaufvertrag. Automobilclubs wie der ADAC stellen Musterverträge kostenlos bereit. Privatverkäufer schließen darin meist die Gewährleistung aus. Das ist zulässig, gilt aber nicht für Mängel, die der Verkäufer kannte und verschwiegen hat, und nicht für Eigenschaften, die ausdrücklich zugesichert wurden. Schreib deshalb alles in den Vertrag, was dir wichtig ist, etwa „unfallfrei“ oder den Kilometerstand laut Tacho.

Bezahlung und Übergabe

Bei einem Auto geht es um viel Geld. Die sicherste Lösung ist, Zahlung und Übergabe gleichzeitig abzuwickeln, etwa bei deiner Bank per Echtzeitüberweisung, während der Verkäufer den Eingang auf seinem Handy sieht. Dann bekommst du Schlüssel, Zulassungsbescheinigung Teil I und II, Serviceheft und den Bericht der letzten Hauptuntersuchung.

Große Bargeldbeträge sind für beide Seiten riskant. Wer bar zahlt, sollte das in einer Bankfiliale tun, wo das Geld gezählt und geprüft werden kann.

Die typischen Maschen beim Autokauf

Die bekannteste Masche ist das Auto im Ausland. Ein gefragtes Modell wird deutlich unter Marktwert angeboten, der Verkäufer lebt angeblich im Ausland und will das Auto über eine Spedition oder einen Treuhandservice schicken, sobald du bezahlt hast. Der Treuhanddienst ist gefälscht, und das Auto existiert nicht. Echte Käufe laufen nie so ab.

Eine zweite Masche sind Anzahlungen für einen Besichtigungstermin oder zur Reservierung. Der ADAC warnt ausdrücklich vor Vorkasse beim Autokauf. Mehr zur Vorkasse-Masche steht im Ratgeber Vorkasse mit Ausrede. Und wenn dir jemand einen Link zu einer Treuhand- oder Zahlungsseite schickt, prüf ihn vorher im Link-Check.

Den Preis richtig einordnen

Für Gebrauchtwagen gibt es viele Vergleichsmöglichkeiten. Große Fahrzeugbörsen zeigen, was vergleichbare Autos mit ähnlichem Alter, Kilometerstand und Ausstattung kosten, und Automobilclubs bieten Bewertungen an. Ein Auto, das weit unter allen Vergleichen liegt, hat meist einen Grund: einen versteckten Schaden, fehlende Papiere oder es existiert gar nicht.

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Häufige Fragen

Muss ich mir den Fahrzeugbrief zeigen lassen?

Ja. Wer ein Auto kauft, ohne die Zulassungsbescheinigung Teil II zu prüfen, kann sich später kaum auf guten Glauben berufen, falls das Auto nicht dem Verkäufer gehört. Ohne Fahrzeugbrief kaufst du kein Auto.

Darf ein Privatverkäufer die Gewährleistung ausschließen?

Ja, das ist üblich. Der Ausschluss gilt aber nicht für Mängel, die der Verkäufer kannte und verschwiegen hat, und nicht für Eigenschaften, die im Vertrag zugesichert wurden, etwa „unfallfrei“.

Wie erkenne ich einen manipulierten Tacho?

Am Tacho selbst meist gar nicht. Vergleiche den Kilometerstand mit Serviceheft, Werkstattrechnungen und HU-Berichten und achte auf Abnutzung an Lenkrad, Pedalen und Fahrersitz.

Wie bezahle ich ein Auto sicher?

Zahlung und Übergabe gleichzeitig: etwa per Echtzeitüberweisung bei der Übergabe oder in einer Bankfiliale. Keine Vorkasse und keine Treuhanddienste, die der Verkäufer vorschlägt.

Quellen und weiterführende Informationen

KAcheck ist unabhängig und nicht mit kleinanzeigen.de verbunden. Keine Rechtsberatung.